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FloZ – Flora des Kantons Zürich

Ein Projekt der Zürcherischen Botanischen Gesellschaft

Flora der Stadt Zürich von Elias Landolt (2001)

landolt_2001 Flora des Stadt ZürichWährend 15 Jahren durchkämmte Elias Landolt – als Professor für Geobotanik in seiner Freizeit, als Prof. emer. im unruhigen Ruhestand – das Gemeindegebiet der Stadt Zürich systematisch nach Farn- und Blütenpflanzen. Seine reichen Erkenntnisse hat er nun in der „Flora der Stadt Zürich“ in einem Sonderformat vorgelegt, womit rund 160 Jahre nach der Flora von Kölliker (1839: Verzeichnis der Phanerogamischen Gewächse des Canton Zürichs) ein neuer Markstein gesetzt ist. Besonders sind nicht nur Grösse (A4) und Gewicht (3.5 kg), hervorragend ist auch der Inhalt. Ein kleines Kunststück war das exakte Erscheinen zum Jahrtausendwechsel von Beschreibungen zu exakt 2000 Pflanzenarten.

Dem Verfasser geht es darum, „den Bewohnern der städtischen Agglomeration die vielfältige Natur ihrer Umgebung näher zu bringen“, aus der Überzeugung heraus, dass nur was wir kennen wir auch zu schätzen wissen. Hierzu will er „die aktuelle Verbreitung der wild wachsenden oder gelegentlich verwilderten Pflanzenarten … in der Stadt Zürich zeigen, aber auch die Dynamik einer Flora in einem vom Menschen stark beeinflussten Gebiet und unter ändernden klimatischen Bedingungen“ darstellen.

In der 40 Seiten starken Einführungskapitel wird die räumliche und zeitliche Dynamik der Pflanzenverbreitung in und um Zürich sehr eindrücklich dargestellt und diskutiert. Auf der Basis von Pollenanalysen wird die nacheiszeitliche Entwicklungsgeschichte der Flora und Vegetation bis ins 16. Jahrhundert geschildert. Der Erforschung der Zürcher Flora bis heute ist ein weiterer Abschnitt gewidmet. Es folgt die Darstellung sowohl aktueller als auch früher herrschender Standortfaktoren. Sehr informativ sind die Beschreibungen floristischer Besonderheiten einzelner Gebiete. Weitere Kapitel zur Herkunft, Verbreitung und Häufigkeit der Arten fassen die bei Gebietsfloren übliche Datenflut nachvollziehbar zusammen. Als Synthese der vorangegangenen Unterkapitel werden die Veränderungen in den letzten 160 Jahren thematisiert und mittels stadtspezifischer Roter Liste wird auf die heutige Gefährdung der Arten hingewiesen. Über fünf Seiten werden entsprechende Massnahmen vorgeschlagen, wie die Artenvielfalt der verschiedenen Standorte wie z.B. Gewässer, Wiesen, Äcker oder Wälder zu erhalten sind; ein überaus spannender Abschnitt, in dem hervorgeht, dass die wichtigsten Veränderungen der Umwelt nicht nur zum Verschwinden von Arten, sondern je nachdem auch zu einer Förderung von Arten führen kann.

Im kurzen zweiten Kapitel erläutert der Verfasser in 13 Seiten das System der Artbeschreibungen, das im dritten Kapitel verwendet wird. Eine topographische Karte mit Gebietseinteilungen sowie eine Kurzfassung der Abkürzungen und Signaturen befinden sich auf den vorderen bzw. hinteren Einbandseiten.

Eine eigentliche Informationsfülle zu 2000 Pflanzenarten bietet das dritte, 1231 Seiten umfassende Kapitel. Taxonomisch sind die Arten nach der  „Flora der Schweiz“ von Hess, Landolt und Hirzel (1967-1972) angeordnet. Bestimmungsschlüssel mit morphologischen Informationen befinden sich jeweils am Anfang der systematischen Einheiten. In den Artbeschreibungen sind neben Angaben zu Blüte und zu Standort (Höhenstufe, Boden- und Klimamerkmale, Vegetationstypen und Biotope, neun Zeigerwerte und Wuchsform) die Verbreitungsdaten wie Literaturangaben, Herbarbelege, aktuelle Häufigkeit und Fundstellen und davon abgeleitet die Angaben zur Veränderung und zur Gefährdung. Strichzeichnungen zu allen Arten sind platzsparend auf Bildseiten zusammengefasst. Die meisten Zeichnungen sind der „Flora der Schweiz“ entnommen. Für 240 bisher nicht beschriebene Arten fertigte R. Hirzel neue Abbildungen in bekannt meisterlicher Art an. Insgesamt 1400 einheimische oder eingebürgerte Pflanzenarten – 190 davon sind bereits ausgestorben- sind in ihrer Verbreitung anhand von Karten abgebildet, wobei diese ebenfalls haushälterisch zu einem Dutzend je Kartenseite zusammengefasst sind. Die Informationen in den Verbreitungskarten basieren auf einer Rasterkartierung des Gemeindegebietes. In 122 Quadraten von je 1 km2 Grösse werden drei Häufigkeitsklassen (nicht selten, selten, sehr selten) und drei Aussterbeklassen (ausgestorben, ausgestorben mit ungefährer Fundstelle, kürzlich ausgestorben) unterschieden. Mit den Angaben von Fundstellen für seltene oder ziemlich seltene Arten ist oft eine punktgenaue Lokalisierung möglich. Von den 600 eingeschleppten Pflanzenarten gelten rund 400 als häufig kultiviert und kaum verwildert. Dazu zählt auch der in den 1980er Jahren als Zimmerpflanze so beliebte Bubikopf, der die letzten milden Winter an speziellen luftfeuchten Stellen in der Stadt zu überdauern vermochte.

Verschiedene Verzeichnisse im hintersten Buchteil (Literatur, Fachausdrücke, geographische Namen, lateinische und deutsche Pflanzennamen) ermöglichen die konsistente Suche nach der gewünschten Information.

Elias Landolt hat mit der „Flora der Stadt Zürich“ ein überaus faszinierendes Nachschlagwerk geschaffen und uns zum lebhaften Nachvollzug des steten Florenwandels in Raum- und Zeit eingeladen. Möglich ist dies u.a. wegen der vielen Literatur- und Herbarinformationen, die sich für den Perimeter der Universitätsstadt seit rund 160 Jahren angesammelt haben. Im Unterschied zu manch anderen Schweizer Floren verleiht Landolt auch den Exoten des Schweizer Mittellandes ein Antlitz und setzt sie sowohl in der Bestimmung als auch in der Beschreibung den Einheimischen gleich. Das Werk erweist aus diesem Grund auch westlich und östlich von Zürich (z.B. Bern oder St. Gallen) seine Dienste zum Bestimmen von Pflanzenarten. Es ist in seiner Vielseitigkeit, Konsistenz und Allgemeingültigkeit vieler Aussagen nicht nur Fachleuten, sondern auch interessierten Laien bestens zu empfehlen.

Thomas Wohlgemuth, Schweiz. Zeitschrift Forstwes. (2002)